Wildernder Hund reißt Rehe bei Oberkodach. 29.04.2013
      Hans-Dieter Ernst ist schockiert. Innerhalb eines Monats hat er in seinem Revier bei Oberkodach das dritte tote Reh entdeckt. Es wurde von einem Hund zu Tode gehetzt - und von hinten angefressen. Als Ernst durch sein Jagdrevier in Wickenreuth-Oberkodach (Kulmbach links des Maines) gestreift ist, um das Wild zu beobachten, hat sich ihm ein Bild des Schreckens geboten. Auf der Wiese, nur 300 Meter von den letzten Häusern entfernt, lag das tote Reh. Im hohen Gras waren Spuren zu erkennen, die darauf schließen ließen, dass es grausam zu Tode gehetzt worden ist. "Im Gras sind die Kreise und Haken abgezeichnet, die das Reh geschlagen hat, um dem Hund zu entkommen. Überall liegen Fellteile, auch einige Fleischteile, die wohl bei lebendigem Leib herausgerissen wurden", sagt der Jäger, der auf blutverschmiertes Gras blickte.
      Ein großer, schwarzer Hund?
      Es ist kein Einzellfall. "Es ist das dritte Reh, das innerhalb der vergangenen vier Wochen in dem Revier zu Tode gehetzt wurde", klagt der passionierte Jäger. Es sei ein großer, schwarzhaariger Hund gesehen worden, "wie er Richtung Siedlung davongerannt ist", hat Ernst in Erfahrung gebracht. "Das Reh war hochbeschlagen", wie der Jäger in der Fachsprache die Trächtigkeit bezeichnet. Mitte Mai bis Anfang Juni hätte die Rehgeiß kleine Rehkitze zur Welt gebracht. "An den Spuren sieht man, dass die Geiß durch die Wiese gehetzt wurde. Es war ein Todeskampf", sagt Hans-Dieter Ernst. Das Reh war nicht schnell genug. So konnte der Hund zuschlagen.
      "Regelrecht angefressen"
      "Das Reh ist von hinten her aufgerissen und regelrecht angefressen", teilt Ernst mit, der vermutet, dass es ziemlich lange gedauert hat, bis das Tier seinen schlimmen Verletzungen erlegen ist. Ernst hat selbst Hunde. "Und ich liebe Hunde, habe in meinem Leben noch keinen erschossen. Aber ich muss ehrlich sagen, es ist einfach eine Sauerei, dass es Besitzer gibt, die so verantwortungslos handeln und ihre Tiere frei laufen lassen. Das darf nicht sein", klagt der Kulmbacher, der nun verstärkt aufpassen will. "Wenn ich Zeuge einer solchen Tortur werden sollte, werde ich den Hund pflichtgemäß erschießen und Anzeige erstatten."
      Ein Wiederholungstäter?
      Die Wilderei durch einen oder mehrere Hunde sei kein Einzelfall. Allein im Oberkodacher Revier ist es laut Ernst das dritte Reh, das gerissen worden ist. Vieles weise darauf hin, dass es sich um einen Hund handelt, "der regelmäßig wildert und es immer wieder tut". Aber auch in anderen Jagdrevieren gebe es immer wieder Probleme mit wildernden Hunden.
      Landratsamt: Geldbuße droht
      Heinrich Rauh vom Landratsamt bestätigt das. Die Problematik mit freilaufenden Hunden sei im gesamten Landkreis bekannt. Jedes Jahr müsse die Behörde zehn bis 20 Ordnungswidrigkeiten bearbeiten. Viele solcher Delikte würden zwischen Jägern und Hundebesitzer geklärt, sagt Rauh und verweist darauf, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt, "wenn Hunde unbeaufsichtigt in einem Jagdrevier erwischt werden". Dies werde mit einer Geldbuße belegt. Wie hoch die ist, sei eine Einzelfallentscheidung, doch seien Geldbußen von bis zu 1000 Euro möglich. "Und bei diesem Strafrahmen ist nur das freie Herumlaufen, nicht das Wildern, berücksichtigt." Die Behörde weise die Hundehalter immer wieder darauf hin, "dass der Jäger das Recht hat, wenn er Hunde beim Wildern erwischt, diese zu erschießen".
      Verband setzt auf Dialog
      Peter Müller, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach, setzt auf den Dialog mit den Hundehaltern. "Uns ist wichtig, dass Hunde auch mal frei laufen können, aber eben nur, wenn sie gehorchen. Wir helfen auch den Besitzern dabei, dass die Hunde gehorsam werden", sagt Müller. Eine vernünftige Erziehung sei wichtig. "Sonst hat man mit einem Hund nur Probleme."
      "Hunde an die Leine"
      Müller: "Gerade jetzt wäre es wichtig, dass Hunde bis Ende Juni an der Leine bleiben. Denn jetzt kommt die Zeit, wo die Rehe Nachwuchs haben." Auch wenn ein Hund nur frei durch ein Revier laufe, bringe er viel Unruhe hinein. "Es wird dann schwieriger, eine vernünftige Bejagung durchzuführen."
      Foto: Jäger Hans-Dieter Ernst ist schockiert: Innerhalb von vier Wochen ist schon das dritte Reh in seinem Jagdrevier "Links des Weißen Maines" von einem Hund zu Tode gehetzt worden.

     Wildernde Hunde in Deutschland, Österreich und der Schweiz.